In unserem unberührtem Garten, abgeschieden von der Aussenwelt, lebt eine sonderbare Schlange.

Sie ist dort schon gewesen, ehe ich hier eingezogen war.

Viele Leute vermeiden die Schlangen oder versuchen sie zu vertreiben, denn sie fürchten sich vor diesem Tier. Manche Menschen töten sogar, wenn sie ihr begegnen und meinen, sie sei eine Gefahr für das Leben.

„Wir wollen nichts von Schlangen wissen !“, verabschieden sich seit geraumer Zeit die Menschen immer mehr von mir.

Niemand hatte Zeit zum Reden und auch der Pfarrer konnte mir nicht weiterhelfen. Ich hatte schon sehr viel erfahren, aber meine Neugier nach Gewissheit war noch nicht gestillt.

„In der Nähe der Gemeinde, außerhalb der Ortschaft, befindet sich ein Kloster“, hatte mir der Geistliche auf mein Bestreben nach Erkenntnis hin geantwortet. „Dort ist es friedlich und es gibt auch einige Tiere, die dort gehalten werden“, hatte er zu mir gesprochen und verabschiedete sich in Hast und Eile zur nächsten Zeremonie.

Der Weg dorthin war ein beschwerlicher und als ich im Dunkeln vor dem einsamen Kloster stand, fand ich das Tor leider verschlossen vor.

„Wie kann das sein ?“, fragte ich mich jetzt selber und verstand die Welt nicht mehr. Der Pfarrer hatte mir doch gesagt, dass ich hier jederzeit die weisen Gelehrten mit besonderen Kenntnissen finden könnte. Es war schließlich auch nicht gar so spät, obwohl schon dunkel.

Ein Schild mit den Öffnungszeiten hing dort draußen an dem Tor und ich beschloss, mich am nächsten Morgen wieder aufzumachen.

„Niemand will die Schlange sehen und auch nicht mit mir entdecken !“, erzählte ich enttäuscht dem Mönch dann eines Tages.

„Komm, ich zeige dir unseren Garten !“, sprach der aufgeschlossene, belesene Klostervorsteher, der ein einfaches Gewand an sich trug. Er hatte klare Augen, strahlend und offen, wie von einem Kind. Seine unternehmenslustige und fröhliche Weise begleitete mich in einen großen Park, in der er meine Neugier brachte.

„Das ist unsere Gartenanlage, schau her !“, sprach er mit stolz. „Siehst du die vielen Tiere ?“, fragte er mich.

Ich schaute mich um und spürte den Frieden in meiner Seele. Als ich aber dort auf den Boden des Gartens blickte, begann die Unruhe und Aufregung wieder in meinem Herzen zu klopfen.

„In unserem Garten ist eine Schlange !“, erzählte ich ihm, sprach aufgeregt von meinen Erlebnissen und fragte wieder nach dem Wesen.

Dieser Mönch erreichte meine Fragen mit einem Lächeln im Gesicht und einem verständnisvollen Blick. Er wusste sehr viel zu berichten und kannte unzählige Geschichten aus Büchern über Schlangen und ähnliche Lebewesen.

„Wie gefällt dir unser Garten ?“, fragte er mich dann eines Tages. Ich war mittlerweile schon mehrere Tage immer wieder dort erschienen.

Der Mönch deutete auf all die ordentlichen Beete und auch die vielen Tiere, die hier in sicheren Gehegen ihre Zeit verbrachten. „Wir arbeiten hier jeden Tag und pflegen unseren Garten“, berichtete er stolz, „Schlangen gibt es auch, aber die stören uns hier nicht“, sprach er weiter mit einem kindlichen und zufriedenem Schmunzeln auf den Lippen.

Nach ein paar Tagen ging ich dann wieder nach Hause und erinnere mich bis heute noch gerne an das Kloster.

Am Abend hörte ich es dann wieder. Es war ein raschelndes Geräusch. Es kam aus unserem Garten.

Dort ist die Schlange, die hier lebt.